Verfassen Sie einen Elternbrief, mit dem Sie die pädagogische Bedeutung
von Ritualen kurz erläutern.
Liebe Eltern,
in diesem Brief möchte ich Sie über die pädagogische Bedeutung von Ritualen
aufklären. Wie Sie bestimmt mitbekommen haben, wird Ihr Kind während seines
Kindergartenaufenthalts von einigen Ritualen begleitet. Nun könnte man meinen,
Kinder seien für solche geordnete Tagesabläufe und Routinen noch zu jung und
sollten nur im unbefangenen Spielen und Lernen gefördert werden. Doch, wie
wichtig Rituale und Strukturen im Leben des Kindes sind, soll anhand ihrer
positiven Einwirkungen aufgezeigt werden.
Rituale kennzeichnen sich durch ihren wiederkehrenden Charakter und
ihrem gleichbleibenden Ablauf, welche Sicherheit und die Möglichkeit der
Vorhersehbarkeit erzeugen. So verhelfen sie,
Stress, Angst und Unsicherheit zu reduzieren und unterstützen bei der
Bewältigung von kleine und große Krisen.
Für Kinder ist es von großer Bedeutung, dass bestimmte Dinge stets auf
gleicher Art und Weise getan werden. Unabhängig davon wie alt das Kind ist,
haben Rituale wichtige Funktionen in der Ordnung und Strukturierung des Tages.
Das immer Wiederkehrende erzeugt im Kind ein Gefühl von Gewohnheit,
Vertrautheit und Sicherheit. Diese Gefühle sind Kindern sehr wichtig (vor
allem Kleinkindern), da sie inmitten der
Hektik des Alltags Halt geben. Sie bewirken also, dass das Kind, gesichert
durch das Gefühl der Geborgenheit, bereit ist, weitere Schritte zu tun. Ein
Beispiel wäre die Verabschiedung von den Eltern. Wie bekannt, fällt es den
Kindern schwer, sich von den Eltern zu trennen. Diese Trennung kann dadurch
unterstützt werden, dass sich Kind und Mutter/Vater zuerst umarmen, dann an den
Händen halten und im weiteren Schritt sich zuwinken bzw. Luftküsse zuwerfen.
Ein Tag im Kindergarten ist gefüllt mit Anforderungen und
Informationen, die das Kind irgendwie verarbeiten muss. Es können
unvorhersehbare Ereignisse vorfallen, aber es können auch einfach nur neue
Aufgaben sein, die dem Kind fremd sind, mit denen es aber konfrontiert wird. Um
diese Fülle an Eindrücken und Aufgaben erfolgreich einzuordnen und zu
bewältigen und gleichzeitig die Erfahrung einer stabilen Welt zu machen, sind
wiederkehrende Rhythmen hilfreich. Denn sie machen Ereignisse vorhersehbar und
geben den Kindern die Möglichkeit, sich auf die Rituale einzustellen und
Verhaltensformen zu sichern. Wenn die strukturierenden Abläufe vertraut sind
und Sicherheit bieten, können sie im Alltag immer mehr selbst aktiv mitwirken
und integriert werden. Rituale sind zudem da, dem Kind klarzumachen, dass es
einer Gemeinschaft zugehört. Nach dem Motto „So machen wir das!“, werden
Rituale von allen Kindern zusammen ausgeübt. So fühlt sich jedes Kind darin
bestätigt, dass es einer Gemeinschaft angehört und stärkt damit das
Zusammengehörigkeitsgefühl. Zudem helfen Rituale der Herstellung des
Gruppenerlebens, welches beispielsweise durch Streitereien gestört wird
(Versöhnungsritual).
Auf dieser Weise wird der Identitätsprozess des Kindes gefördert, zu
welchem eben auch das Erlernen des Gemeinschaftsgefühls gehört.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Rituale im Kind
Empfindungen wie sich-wohl-Fühlen, sich-zugehörig-Fühlen und sich-sicher-Fühlen
auslösen, welche die Bildung der Identität fördern.
Reflektieren Sie exemplarisch Erfahrungen mit Ritualen in Ihrer
persönlichen Biographie.
Berücksichtigen Sie dabei besonders solche, wo sich Rituale entwickelt
und verändert haben.
Ein Ritual ist ein Handlungsprozess, welcher nach vorgegebenen Regeln
abläuft. Verschiedene Rituale bestimmen unseren Alltag und geben uns eine
Struktur, und auch eine Sicherheit in unserem Leben. Durch die Wiederholung der
einzelnen Rituale, erschaffen wir uns eine vertraute Umgebung, die uns das
Zusammenleben erleichtert. Da sie also Menschen verbinden, stiften sie in der
Gemeinschaft ein Gefühl der Solidarität. Rituale können für ein einziges
Individuum, eine Gruppe oder für eine Gesellschaft bestehen. Sie verfolgen unterschiedliche
Absichten, zu denen unter anderem die Stärkung des religiösen Glaubens, des
Wir-Gefühls und die Strukturierung des gesellschaftlichen Lebens gehören.
Rituale können uns ein Lebens lang begleiten und sind von Kultur zu Kultur
unterschiedlich.
Beispielsweise ist es in meiner Kultur ein gängiges Ritual, zur
Begrüßung die Hände zu falten oder nach dem Bau eines Hauses, das Haus durch
das Überkochen von Milch einzuweihen. Ein ganz wichtiges Ritual bei uns Tamilen
ist das Feiern von Pongal, dem Erntedankfest, das am 14. Januar stattfindet und
in welchem der Reis und die Sonne als Symbol eine wichtige Rolle spielen. Denn
der Reis wird zusammen mit der Milch beim Aufgang der Sonne zum überkochen
gebracht. Ein weiteres Ritual ist das Malen von Mandalas vor den Häusern. Dies
geschieht vor allem an Festtagen, an welchem die Frauen morgens aufstehen und
verschiedene Motive mit bunter Kreide,Mehl, Kokosnussraspeln etc. auf den Boden
malen. Je nach Motiv hat das Mandala eine andere Bedeutung. So wird beispielsweise
an christlichen Feiertagen ein
christliches Symbol in einem Mandala aufgenommen.
Rückblickend kann ich behaupten, dass Rituale mich in jeder
Lebenssituation begleitet haben. Große und kleine Spiel- und Singrunden zu
meiner Kindergartenzeit, welche im allgemeinen immer auf dem Hof stattgefunden
haben, gehörten auch zu den täglichen Ritualen. Hierbei stand der Spaßfaktor am
Lernen und das Miteinander im Vordergrund. Da die Lieder leicht zu erlernen
waren, war es einfach diese Rituale trotz unseres jungen Alters zu wiederholen.
Ein jeden Morgen wiederkehrendes Ritual waren die Gymnastikübungen, die
in Klassen ausgeübt wurden. Diese Übungen machten Spaß und waren sehr
hilfreich, da sie die Sportlichkeit und Gesundheit eines jeden positiv
unterstützten. Die sportliche Tätigkeit am Anfang des Tages begleitete die
Kinder bis hin zur Abiturzeit.
Das Feiern von Geburtstagen zählte auch zu den schönsten Ritualen,
welchen man mit viel Freude entgegensah. Das Geburtstagskind nahm zu diesem
Anlass Süßigkeiten mit. Auch diese Handlung wurde in der Schulzeit weiterhin
ausgeführt.
Dass Rituale auch trotz des Wechsels vom Kindergarten zur Schule
erhalten bleiben ist wichtig, weil sie den Übergang erleichtern, indem sie dem
Kind ein Gefühl von Gewohnheit und Vertrautheit vermitteln.
Schon in der Kindergartenzeit war es üblich, an einem Wochentag die
Schulkirche zu besuchen. Dieses Ritual begleitete mich in meine Grundschulzeit
hinein.
Ein weiteres wichtiges Ritual in der Schulzeit war das morgentliche
Zusammenkommen aller Schüler/innen auf dem großen Schulhof. Man sang zusammen
die Nationalhymne und sprach ein kurzes
Morgengebet. Es galt Anwesenheitspflicht. Hier kann man erkennen, das den
Schülern das Gefühl der Gemeinschaft und Einheit vermittelt wurde.
Ein weiteres schönes Ritual war die tägliche Mittagspause, wo einem die
Möglichkeit gestattet wurde, sich mit den Kameraden auszutauschen, Kontakte
aufzunehmen und neue Beziehungen zu knüpfen.
Vor dem Unterrichtsbeginn gehörte es sich, dass beim Eintritt des Lehrers/der
Lehrerin die Schüler zur Begrüßung aufstehen mussten. Damit bekundete man den
Respekt vor der Autoritätsperson.
Da ich eine christlich geprägte Schule besucht habe, war es an
Karfreitag Pflicht, dass die
Lehrer und die Schüler weiße Kleidung trugen. Zudem spielte die
Weihnachtszeit eine große Rolle. Dabei veranstaltete jede Klasse ein Programm,
welches vor den Eltern aufgeführt wurde. Außerdem gehörte der Besuch des
Weihnachtsgottesdienst und das Anzünden von Wunderkerzen und Feuerwerkskörpern
dazu.
Rituale ließen sich nicht nur in der Schule wiederfinden, sondern auch
in meinem Familienleben. Da ich christlich erzogen wurde, begann der Morgen
damit, dass wir im Gebetsraum eine Öllampe anzündeten, welche den ganzen Tag
über brannte. Zudem wurde vor dem Kreuz Blumen hingelegt und ein kurzes Gebet
gesprochen.
In meiner Familie führte die gemeinsame Mahlzeit am Abend dazu, dass
alle zusammenkamen. Bei meiner großen Familie mit vielen Geschwistern war es
nur abends möglich, sich gemeinsam zu treffen. Hierbei hatte man die
Möglichkeit sich auszutauschen. Dies stärkte den Familienzusammenhalt.
Als Gute-Nacht-Ritual sang meine Mutter uns jeden Abend ein Lied vor,
welches ein traditionelles Schlaflied war.
Üblich war es in meinem Dorf täglich um 17.00 Uhr zum Rosenkranzgebet
in die Kirche zu gehen. Auch der Gottesdienst am Sonntag war eine wichtige
Tagesordnung für meine Familie, aber auch für alle anderen in meinem Dorf. Ich
selber bekam durch den Kirchenbesuch Kraft und Ruhe für die kommende Woche.
Zudem gehörte auch das gemeinsame Feiern von christlichen Festtagen,
wie z.B. Weihnachten und Ostern zu den religiösen Ritualen. Vor allem
Weihnachten hat schöne Erinnerungen und beinhaltet viele Rituale. Dazu gehört
das Aufstellen eines Weihnachtsbaums und eine Krippe. Natürlich durfte das
Backen von traditionellem Gebäck nicht fehlen.
Die Geburtstagsfeier fand nicht nur in der Schule statt, sondern auch
zu Hause mit der Familie. Zu diesem Anlass kamen meine Verwandte zu Besuch und
wir feierten den Tag. Vorbereitend hatte meine Mutter viele tamilische
traditionelle Gebäckarten gebacken.
An solchen Festtagen trugen alle traditionelle Kleider, d.h. die Frauen
trugen Saris und die Männer weißes Hemd und weiße Sarong.
Familienausflüge, die regelmäßig in den Sommerferien stattfanden,
sorgten für Harmonie und stärkten das Wir-Gefühl innerhalb der Familie.
Nachdem ich nach Deutschland zugewandert bin und meine Kinder bekommen
habe, veränderten sich einige meiner Rituale. Aber andererseits übermittelte
ich viele meiner Rituale weiter an meine
Kinder. So war es jeden Abend üblich, dass ich ihnen Abends etwas
vorgesungen oder erzählt habe. Auch das Feiern von ihren Geburtstagen gehört
dazu. Doch nun hatte sich die Art der Gestaltung der Feier verändert.
Beispielsweise war das Geburtstagsessen anders (z.B. schnitt das Kind sein
Geburtstagstorte selber an).
Weitere Rituale, die ich mit meinen Kindern ausführte waren z.B. die
Spielplatzausflüge jeden Mittag nach dem Mittagessen, der meine Kinder erfreut
entgegensahen.
Ich habe in meinem Leben festgestellt, dass viele Rituale von
Generation zu Generation weitergegeben werden. Jedoch werden diese in einer
veränderten Form der Zeit entsprechend weitergegeben.
Listen Sie die Rituale auf, die in Ihrer Einrichtung praktiziert
werden. Beschreiben Sie die Rituale stichwortartig ( Wann und Wo finden sie
statt? Welche Elemente gehören dazu?...)
Stellen Sie Ihre Beobachtungen nach den grundlegenden Ritualtypen
sortiert dar ( s. Text WDR)
–
jedes einzelnen Begrüßung
–
ab 7.00 Uhr
–
wenn die Eltern das Kind
mitbringen wird auf das Kind zugegangen und es wird begrüßt
–
die Kinder dürfen die Eltern bis
zur Tür begleiten und sich dort verabschieden
Morgenkreis:
–
9.00 Uhr
–
im Nebenraum
–
Anwesenheitsliste durchgehen
–
Frage und Antwort: z.B. die Kinder
nach Tag, Monat und Jahr fragen
–
Lieder zum Morgengruß:
verschiedene Lieder werden gesungen
–
Fingerspiele
Frühstückszeit
–
7.00-10.00 Uhr
–
im Gruppenraum gibt es extra einen
Frühstückstisch der schön gedeckt wird und auf dem Obst, Gemüse, Milch und
Wasser bereitliegen
–
die Decke, unter dem der Tisch
steht, ist symbolisch mit Obst und Gemüse dekoriert
–
selber Frühstück mitnehmen: Wert
auf gesundes Essen (keine Süßigkeiten) legen
–
es können immer bis zu sechs
Kinder gleichzeitig frühstücken
–
Kleinkinder werden zum
Frühstückstisch begleitet
freies Spielen
–
9.00-10.00
–
eigenständiges Spielen im Flur, im
Gruppenraum: Basteltisch, Maltisch, Puppenecke, Leseecke, Kuschelecke oder
Nebenraum: Bauecke, Musik mit Tanzen
–
es dürfen nur jeweils drei Kinder
in den verschiedenen Ecken spielen, ab und zu erlauben wir auch vier
–
an den bastel- und Maltisch dürfen
bis zu sechs Kinder
–
die Länge der Zeit, die sie in der
Ecke verbringen, ist ihnen überlassen
–
bei Bruch der Regeln, die für die
Ecken gelten, wird das Kind aus der Ecke herausgeholt
–
Kinder unter drei dürfen nicht
ohne einen Erzieher in den Nebenraum, dürfen sich aber alleine im Gruppenraum
bewegen
–
mit Kleinkindern werden kleine
Spiele gespielt oder Bilderbücher angeschaut
–
Aufräumzeit: am Ende der Spielzeit
muss jeder seine Sachen wegräumen
–
Wickelzeit
–
10.00 Uhr und nach dem Mittagessen
werden Kleinkinder gewickelt
draußen spielen
–
10.30-11.45 Uhr
–
auf dem Außengelände
–
je nach Wetter müssen sie ihre
Regensachen anziehen (Kleinkinder bekommen dabei Hilfe, Schuhe dürfen nur vor
der Tür angezogen werden)
–
Kinder unter zwei Jahre dürfen nur
bestimmte Spielgeräte benutzen
Schlusskreis
–
ca. 12.00 Uhr
–
im Gruppenraum
–
Stuhlkreisspiele und Abschlusslied
finden statt
Abholzeit
–
12.15 Uhr werden die Blockkinder
abgeholt
Mittagessen
–
ca. 12.30 Uhr
–
im Gruppenraum
–
vor dem Mittagessen stellen sich
Kinder im Flur in einer Reihe auf und ein älteres Kind lässt immer zwei Kinder
in den Waschraum und bestimmt, ob ihre Hände sauber sind (Polizist spielen)
–
zwei Kinder decken den Tisch
–
zu Mittag essen die Kinder
gemeinsam auf viele Tische verteilt
–
zuerst wird eine Tischkerze
angezündet, währenddessen die Kinder, die jeweils an dem Tisch, sitzen, dazu
ein Lied singen ( z.B)
–
danach wird zusammen ein Gebet
gesprochen, zudem sich die Kinder an den Tischen an den Händen halten
–
die Kinder dürfen sich selber
Essen auf ihr Teller tun
–
Kindern unter drei wird dabei
geholfen
–
nach dem Essen räumen jeweils zwei
Kinder das Besteck und die Gläser weg
–
die anderen Kinder stellen sich im
Flur auf und müssen unter Aufsicht eines/r Erziehers/in sich die Zähne putzen
Tischspiel
–
nach dem Mittagessen – 13-45 Uhr
–
Spiel an den Tischen
Schlafzeit
–
nach dem Zähne putzen können sich
Kinder im Nebenraum zum Ausruhen hinlegen
–
der Raum ist dunkel gehalten und
es läuft ein Hörspiel
–
Kinder, die schlafen wollen,
dürfen in den Schlafraum
–
im Schlafraum werden für Kinder
unter drei Schlaflieder gesungen und Geschichten erzählt
Nachmittagsspiele/ Abholzeit
–
14.00- 16.00 Uhr
–
die Kinder dürfen im Gruppenraum
oder draußen spielen bis ihre Eltern sie abholen
Besonderheiten
–
jeden Montag gibt es um 9.00 Uhr
im Turnraum ein Morgengebet mit Gesang für alle Kinder
–
jeden Freitag werden die Gruppen
nach dem Frühstück in drei Untergruppen aufgeteilt und in den Turnraum gebracht,
wo sie unterschiedliche sportliche Aktivitäten unternehmen dürfen
–
an Geburtstagen um 11.00 Uhr Geburtstagstisch gedeckt und
Geburtstagskerzen angezündet
–
alle Kinder sitzen um den Tisch
herum und das Geburtstagskind darf wählen, wer neben ihn sitzen soll
–
das Geburtstagskind bekommt eine
gebastelte Krone von einem anderem Kind aufgesetzt
–
das Geburtstagskind verteilt
kleine Instrumente an die anderen Kinder
–
die anderen Kinder stellen sich in
einer Reihe und zwei Kinder bauen mit ihren Händen ein Tor, so dass das
Geburtstagskind dadurch gehen kann, während die anderen Kinder mit den
Instrumenten spielen. Gleichzeitig wird das Geburtstagslied gesungen
–
danach wird Kuchen verteilt
–
das Geburtstagskind wird samt
seinem Stuhl hochgehoben
Durch meine intensive Beobachtungen, konnte ich feststellen, dass sich
viele Rituale, die in meiner Einrichtung ausgeübt werden, auch in verschiedene
Ritualtypen untergeordnet werden können.
Ich stellte fest das die Kinder durch die Wiederkehr vom vertrautem
durch die verläßlichen
Regeln, viel mehr Kraft, Zuversicht und Vertrauen in sich und andere
gewinnen.
Ich versuche nun die vielen Rituale, die ich beobachten konnte in die
vier grundlegenden Ritualtypen einzuordnen.
1.Alltagsrituale
Da Kinder sich an eine fest strukturierten Tagesordnung festhalten und
diese ihnen als Orientierung dient, ist es wichtig, das die Tagesabläufe feste
Zeiten haben und diese sich auch täglich wiederholen. Kinder freuen sich immer
wieder auf die Wiederholung der Rituale, welche für sie vorhersehbar und
überschaubar sind und ein Gefühl von Sicherheit geben.
So ist die Begrüßung sowie das Verabschieden, die gemeinsamen
Frühstückszeit und Mittagszeit, die Spielzeit, Schlafzeit und der Schlußkreis
ein sich täglich wiederholender Ablauf.
2.
Familentradition
Zu diesen Punkt gehört das Feiern von Geburtstagen der Kindern und auch
der von den Erziehern.
Die Geburtstage werden auch in dem selben Ablauf vorbereitet und
gefeiert.
So weiß jedes Kind was zu erwarten ist und was genau gefeiert wird.
Um 11 Uhr wird der Geburtstagstisch gedeckt und mit Kerzen geschmückt.
Das Geburtstagskind bekommt eine Krone von einem anderen Kind aufgesetzt.
Jedes Kind darf die Krone selber mit den Erziehern zusammen basteln.
Das Muster der Krone bleibt immer gleich, jedoch das Motiv und die Gestaltung
der Krone darf vom Kind individuell ausgewählt und gestaltet werden.
Das Geburtstagskind verteilt
kleine Musikinstrumente an die anderen Kindern, die sich gegenüber hinstellen. 2 Kinder die kein Instrumente
haben, bilden mit den Händen ein Tor, wodurch das Geburtstagskind zu seinem
Geburtstagstisch gehen kann.
Währenddessen werden die Instrumente gespielt und gleichzeitig auch das
Geburtstagslied gesungen.
Hiernach wird der mitgebrachte Kuchen ( Bei jedem Kind unterschiedlich
wie z.B statt Kuchen Süßigkeiten, Frühstück etc.) ausgeteilt.
Anschließend wird das Kind mit seinem Stuhl zusammen drei mal
hochgehoben und das Geburtstagskind darf im Stuhlkreis sein Lieblingsspiel
aussuchen.
Familienurlaub
Ein weitere Punkt ist auch der Familienurlaub im Sommer.
Nach jedem Urlaub bekommen die Kinder die Möglichkeit im Stuhlkreis
über das erlebte im Urlaub den anderen Kindern zu berichten und wenn Kinder
etwas vom Urlaub mitgebracht haben, dürfen sie
diese zeigen, ( z.B Muschel, Karte,...) Die von den Kindern geschickten
Urlaubskarten werden an einer Wand aufgehangen.
3.
Feiertage
Da meine Einrichtung eine christliche Einrichtung ist, wird viel Wert
auf die Christlichen Feiertage gelegt, Diese werden schon Wochen voraus
vorbereitet.
Fastenzeit
Während der Fastenzeit bis hin zu Ostern, werden dem Kindern
Bilderbücher vom Kreuzweg und dem Leiden Jesu Kind vorgelesen und erklärt.
Der Kreuzweg wird bildlich mit Bausteinen/ Bauklötzen in der Gruppe
aufgebaut. Am Ende des Kreuzweges befindet sich eine alte zugedeckte Osterkerze
vom Vorjahr.
An Ostern wird an dieser Stelle die neue Osterkerze hingestellt und
auch angezündet. ( Als Bedeutung von Tod und Leben)
Nach Ostern (Dienstag) findet ein gemeinsamer Osterfrühstück statt.
Muttertag
Im Team wird besprochen was für den Muttertag vorbereitet bzw.
gebastelt werden soll.
Danach wird in jeder Gruppe gemeinsam mit den Kindern zusammen
gebastelt. (z.B. Tonarbeit Kartengestaltung, etc.)
Erntedank
Eltern bringen mir ihren Kinder Obst und Gemüse mit.
Es findet ein Erntedankgottesdienst statt, welcher zusammen mit den
Eltern gefeiert wird.
Sankt Martin
In der Vorbereitungszeit werden Sankt Martins Lieder gesungen,
Geschichten vorgelesen.
Im Stuhlkreis wird die Geschichte des Sankt Martin und des armen Mann
nachgespielt.
Hierbei wird das miteinander teilen in den Vordergrund gestellt und
nochmal intensiv behandelt.
Jede Gruppe bastelt zum Thema passende Laternen, wobei die Kinder mit
Eifer und Freude dabei sind. selber etwas zu basteln was hinterher auf der
Straße herumgetragen wird.
Am Martinstag backt jede Gruppe mit den Kinder zusammen einen großen
Weckmann.
Anschließend wird der Tisch gedeckt und der große Weckmann wird
in kleinen Stücken geteilt und gegessen.
Das Teilen wird in den Mittelpunkt gestellt. Jedes Kind achtet darauf,
dass alle Kinder was abbekommen.
Der Martinszug wird am Abend mit allen Kindern und Eltern zusammen
gefeiert, und anschließend wird am Feuer die Martins Geschichte von den
Erwachsenen vorgespielt.
Nikolaus
Wie jedes Jahr werden an Nikolaus Geschichten vorgelesen.
Nikolauslieder werden mit allen Kindern aus jeder Gruppe zusammen eingeübt .
Am Nikolaus Tag bekommt jedes Kind von den Erziehern ein kleines
Geschenk.
Ein großer verkleideter Nikolaus kommt in jede Gruppe und legt einen
riesengroßen Sack
mit vielen Spielgeschenken.
Weihnachten
Ein Fest, welches weltweit gefeiert wird ist Weihnachten. Ein Fest der
Liebe.
Auch im Kindergarten ist dieses ein wichtiges Fest.
In der Leseecke befinden sich Bilderbücher zum Thema Weihnachten,
welche sich die Kinder in ihrer Freispielzeit anschauen können. Hierbei können
sich die Kinder selbstständig die Bilderbücher anschauen.
Adventsgeschichten werden im Stuhlkreis vorgelesen, wobei eine Kerze
vom Adventskranz angezündet wird. Kinder hören gespannt und ruhig zu. Mit
Fragen ,,Was könnte jetzt denn passieren? “ bringt man die Kinder dazu selber
was zu erzählen und fördert die Kreativität.
In jeder Gruppe befinden sich 24 Sterne (Adventskalender) mit 24 Geschenke.
Jedes Kind bekommt einen Stern und ein Geschenk. Wann welches Kind dran
ist, wird anhand eines Spieles entschieden.
Es werden auch Plätzchen zusammen mit den Kindern gebacken.
4. Lebensrituale
Zu dem Punkt konnte ich leider nichts beobachten.
Kinder die bei uns im Kindergarten waren und jetzt zur Kommunion gehen,
bekommen vom Kindergarten aus ein kleines Geschenk.
Zum Thema Feste gehört auch noch das feiern von Karneval.
Diese wird in unserer Einrichtung auch gefeiert.
Es wird ein Thema ausgewählt, welches mit den Kindern zusammen
ausgearbeitet wird.
Zum Thema passend wird am Karnevalstag verkleidet und zusammen mit den
Eltern gefeiert. Eltern bringen ihre traditionale Gerichte mit.
Bewerten Sie anschließend diese Praxis: Was schätzen Sie? Warum? Wo
sehen Sie Veränderungsbedarf? An welcher Stelle wären neue Rituale hilfreich?
Wie man in Aufgabe zwei sehen kann, gibt es viele Rituale, die in
meinem Kindergarten realisiert werden. Jedes einzelne von ihnen ist wichtig und
erfüllt Aufgaben, die für die Entwicklung des Kindes unverzichtbar sind.
Der Tagesbeginn mit dem Morgenkreis ist eine sehr hilfreiche Praxis.
Das gemeinschaftliche Beisammensein hat verschiedene Wirkungen auf die Kinder.
Es stärkt das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Gruppe und unterstützt die
soziale Kompetenz des Einzelnen. Dadurch, dass alle Kinder die Möglichkeit
haben, ihre Erlebnisse anderen zu erzählen, lernen sich die Kindern gegenseitig
kennen, so dass die Knüpfung von Beziehung erleichtert wird. Denn durch das Preisgeben
seiner Erfahrungen schaffen sich Kindern einen Raum für gegenseitiges
Vertrauen. Außerdem lernt das Kind zuzuhören, sich auszudrücken, seine Gefühle
zu vermitteln und sich mit seinen Erlebnissen auseinanderzusetzen. Da das Kind
sich also als Individuum mit seinen eigenen Erfahrungen erkennt, wird die
Bildung der Identität gefördert.
Eine weitere wichtige Funktion des Morgenkreis ist die Bildung des
Kindes. Da während dieses Kreises verschiedene Themen aufgegriffen und
behandelt werden, lernt das Kind nicht nur die anderen Kinder kennen, sondern
erlangt überdies die Möglichkeit, sich fortzubilden.
Ich kann erkennen, dass es den Kindern Spaß macht, den Morgen mit
diesem Kreis zu starten und dass sie dadurch Motivation für den ganzen Tag
schöpfen.
Auch die eigenständige Verabschiedung von den Eltern ist ein
unverzichtbares Ritual. Da den Kindern die Möglichkeit geboten wird, ihre
Eltern bis zur Tür zu begleiten und sich auf ihre Art von ihnen zu
verabschieden, kann es sich von ihnen loslösen, anstatt von ihnen abrupt
losgerissen zu werden. Dabei ist es auch hilfreich, dass die Erzieher zu den
ankommenden Kindern hingehen und sie herzlich begrüßen. Dies schafft im Kind
ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit, was die Verabschiedung von den
Eltern erleichtert.
Auch der tägliche Aufenthalt auf dem Hof ist von großer Wichtigkeit.
Schließlich lernen Kinder sich mit der
Natur auseinanderzusetzen. Beispielsweise lernen sie, wie Regen den Umgang mit
Sand verändert oder welche neue kleine Tiere auftauchen. Somit wird zum einen
die Wahrnehmung für die Natur sensibilisiert und zum anderen werde neue
Erfahrungen und Umgangsformen mit anderen Lebewesen gesammelt. Zudem hilft es
auch ihren Körper besser kennenzulernen. Z.B. das Anziehen wärmerer Kleider
lässt sie erfahren, dass sie sich vor Kälte schützen und damit auf ihre
Gesundheit achtgeben müssen oder beim Klettern und Fallen lernen sie ihre
Schmerzensgrenze kennen.
Das gemeinsame Spielen hilft ihnen sich unter anderen Kindern zu
bewegen. Sie lernen, welche Verhaltensweisen von den anderen akzeptiert werden
und welche das gemeinsame Spielen gefährden. Zudem lernen sie miteinander zu
teilen, Konflikte zu lösen und ihre eigenen Bedürfnisse dem anderen
kundzugeben.
Das Ritual des gemeinsamen Essens lässt die Kinder erkennen, wie
wertvoll und schön es ist, etwas in einer Gemeinschaft auszuführen. Durch das
Decken des Tisches und das Aufräumen (dazu gehört auch das Aufräumen der
Spielecken) lernt das Kind Verantwortung zu übernehmen, für sich aber auch für
die anderen.
Auch das Zähneputzen und das Händewaschen mit der dazugehörigen
Polizistenarbeit eines älteren Kindes hat eine pädagogische Bedeutung. Das Kind
erlangt dadurch ein Bewusstsein dafür, wie wichtig Zähne sind, so dass auf sie
Acht gegeben werden muss. Auch im allgemeinen lernt es, dass die Hygiene sehr
wichtig ist und das täglich darauf geachtet werden muss. Diese Übungen bieten
überdies einen festen Rahmen im Alltag und geben den Tag somit gewisse
Eckpfeiler, so dass sich eine Struktur und ein Rhythmus im Leben wiederfinden
lässt. Die Wiederholung dieser Tätigkeiten macht es auch leichter sich daran zu
erinnern und führt dazu, dass sie als selbstverständlich geachtet werden.
Die Arbeit als Polizist ist eine Möglichkeit Sorge für andere zu
tragen. Denn dadurch übernimmt das Kind Verantwortung für die Pflege der
anderen Kinder und lernt, was es heißt, sich um etwas zu kümmern und auf etwas
aufzupassen, d.h. Eine autoritäre Rolle zu übernehmen.
Wichtig sind auch das Feiern von Festtagen, z.B. Ostern, Sankt Martin,
Nikolaus, Weihnachten. Die Vorbereitung dieser Feste geht mit dem Lernen
verschiedener Werte und der Übermittlung von Überzeugungen des Glaubens einher.
Die Werterfahrung ist für die Entwicklung der sozialen Kompetenzen sehr
wichtig. Sie verdeutlichen dem Kind, worauf im Leben geachtet werden muss und
was als wertvoll und gut empfunden wird. Dadurch, dass diese Feiertage mit
praktischen Handlungen (Bau einer Laterne etc.) gefüllt werden, kann das Kind
diese Werte auf eine spielerischen Art und Weise erfahren.
Zu der Wertvermittlung gehört es auch, dass Kinder bei einem Streit
lernen, sich zu vertragen, indem sie sich entschuldigen und sich umarmen. Zudem
ist es wichtig, dass sie Dankbarkeit zeigen, indem sie explizit „Danke“ oder
bei einer erfragten Hilfeleistung „Bitte“ sage. Diese Formulierungen und
Handlungen sind wichtig, damit sie gut miteinander umgehen, Hilfe durch andere
wertschätzen und anerkennen und das Gefühl der Dankbarkeit entwickeln.
Das Feiern von Geburtstagen (aber auch anderer Feste) ist sehr wichtig,
da das Kind lernt, bestimmten Anlässen eine Bedeutung zu geben und dies dadurch
zum Ausdruck zu bringt, in dem es der Feier genug Zeit und Raum schenkt. Auch
dies hilft dem Kind, Wertschätzung zu erlernen.
Ein Geburtstagskalender, auf dem die Geburtstage der Kinder
chronologisch eingeteilt werden, vermitteln dem Kind zudem das Bewusstsein von
der Zeit. Es lernt die verschiedenen Jahreszeiten kennen und damit, dass es
einen Zyklus gibt.
Es gibt also viele Rituale in meinem Kindergarten, die sehr wichtige
Funktionen erfüllen.
Ein Verbesserungsvorschlag von mir wäre das Anlegen eines kleinen
Garten.
Für das erkennen der Eigenschaften einer Jahreszeit, als auch für die
Besserung des Umgangs mit der Natur, wäre das Anlegen eines kleinen Gartens
eine gute Idee.
Durch die Erfahrung mit den Pflanzen, kann der Kreislauf
nachvollgezogen werden. Außerdem stärkt es den verantwortungsvollen Umgang mit
der Pflanzenwelt.
Dazu könnte man das Ritual einführen, dass man jeden Tag nachschauen
geht, wie sich die Pflanzen entwickeln, was für Gartenarbeit noch
zusätzlich gemacht werden muss etc.
Welche Rituale müssen sich im Blick auf Kinder unter Drei verändern? Wo
, denken Sie, brauchen Kinder unter Drei noch andere, zusätzliche Rituale?
Für Kinder unter drei zählen zu den besonderen Bedürfnissen, dass sie
zum einen eine stabile emotionale Bindungsbeziehung zu einer Erzieherin
herstellen, dass ihnen eine einfühlsame und liebevolle Pflege zukommt, dass sie
eine empathische Anteilnahme und Unterstützung in Belastungssituationen
erfahren, dass sie in einer gesicherten Umgebung unterkommen, in der sie die
Möglichkeit haben sich frei zu bewegen und das Gefühl der Sicherheit und
Geborgenheit entwickeln.
Diese Bedürfnisse sind wichtig für das Wohlbefinden und die Entwicklung
des Kleinkindes und müssen alle bei der Aufstellung von Ritualen beachtet
werden.
So wäre es beispielsweise für Kinder unter drei förderlicher, wenn der
Morgenkreis speziell für sie anders gestaltet wäre. Es wäre zu begrüßen, wenn
der Kreis so gestaltet ist, dass vor allem Fingerspiele und Lernspiele mit
Handpuppen im Vordergrund stehen. Es wäre also für sie angenehmer, wenn
Kleinkinder eine andere Art des Morgenkreises erfahren könnten, in denen auch
verschieden Themen behandelt
werden können, aber mit mehr visuellen Komponenten. Dadurch wird ihnen die
Zusammenkunft morgens verständlicher und spaßiger. Mit Gleichaltrigen, die alle
mehr oder weniger die gleichen Fähigkeiten aufweisen, fällt es Kleinkindern
eventuell leichter ein Wir-Gefühl aufzubauen und eine Gruppenidentität zu
bilden.
Auch wäre es sinnvoll, die Frühstückszeit für Kleinkinder festzulegen,
so dass sie zum einen gemeinsam frühstücken können. So wird ihnen der Übergang
in den Tag erleichtert, da es verschiedene Handlungen gibt, die zu konkret
festgelegten Zeitpunkten stattfinden.
Zudem kann es von Vorteil sein, wenn Kleinkinder getrennt von älteren
Kindern den Turnraum besuchen. Da ihre motorische Entwicklung noch in einem
frühen Stadium ist, können so gezielter sportliche Aktivitäten ausgeübt werden,
die ihre Motorik fördern, dazu gehört z.B. die freie Bewegung zur Musik, durch
die ihnen die Erfahrung ihres eigenen Körpers ermöglicht wird.
Um die Motorik der Kinder zu fördern, wäre es auch hilfreich eine Zeit
einzuplanen, in der Kleinkinder zusammen am Tisch kleine Dinge basteln und
malen. Dazu gehört auch das Lernen des Umgangs mit Schere, Stiften, Kleber etc.
Sie lernen neue Fertigkeiten kennen, aber auch den Zweck von bestimmten
Gegenständen.
Auch die Übermittlung von Werten kann auf eine zugänglichere und
spaßigerer Weise vollzogen werden. Die Einführung von Geschichtserzählungen,
die von einer Diashow begleitet werden, helfen der Übermittlung der Botschaft.
Beispielsweise kann die Wichtigkeit der Dankbarkeit oder der Hilfeleistung
anhand von verschiedenen Geschichten erklärt und mit Bildern verdeutlicht
werden. Diese gesehenen Handlungen können dann im Kindergartenalltag
aufgenommen werden, dass dem Kind die Bedeutung der Worte, wie „Danke“ oder
„Bitte“ verständlich wird und es ihm leichter fällt, sie anzuwenden.
Eine weitere rituelle Handlung könnte der Gang zur Toilette sein.
Schließlich sollen sie mit der Zeit lernen, auf die Windeln zu verzichten und
auf die Toilette zu gehen. So könnten Kinder ab ca. 2 Jahre begleitet von einem
Erzieher täglich zu einer bestimmten Zeit auf die Toilette gehen.
Es ist auch in Betracht zu ziehen, einen Extra-Nebenraum für
Kleinkinder zu gestalten, in denen ihnen Freiraum geboten wird, sich flexibel
zu bewegen, ohne dass sie Gefahr laufen, sich an gefährlichen Werkzeugen etc.
zu vergreifen. So können sie sich mit weniger Verboten und Regeln bewegen.
Da es für Kinder unter drei ganz wichtig ist, dass sie eine
Bezugsperson haben, ist es wichtig, dass sie morgens herzlich und mit einer
kleinen Umarmung von dem/r Erzieher/in begrüßt werden. Die Aufmerksamkeit, die
ihnen jeden Morgen geschenkt wird, gibt ihnen ein Gefühl der Anerkennung und
des Geliebt-werden, so dass die Verabschiedung von den Eltern erleichtert wird.
Da es manchen Kleinkindern schwer fällt, sich von ihren Eltern zu
verabschieden, wäre auch hier eine Einführung eines Rituals nicht von der Hand
zu weisen. Beispielsweise kann die Verabschiedung so gestaltet werden, dass
Eltern und Kind sich zuerst umarmen, dann die Hand geben, dann nur Tschüss
sagen und am Ende sich zuwinken. Diese langsame Lösung erleichtert dem Kind den
Übergang zu einer neuen Umgebung und damit zu neuen Situationen.
Vor allem für Kleinkinder ist die Festsetzung von Zeitpunkten, in denen
bestimmte Rituale vollzogen werden, wichtig. So wird ihnen in verunsichernden
Situationen sichere Anhaltspunkte geboten, die ihnen Kraft geben, sich wieder
an neue Situationen heranzutrauen und neue Erfahrungen zu machen.